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Humus – der Alleskönner

Humus – der AlleskönnerWieviel Klimaschutz ist durch Humusaufbau möglich?Ein Gastbeitrag von Dr. Axel Don, Thünen Institut für Agrarklimaschutz

Die Bodenfruchtbarkeit unsere Böden hängt ganz wesentlich an dessen Humusgehalt. Die fruchtbarsten Böden sind die Schwarzerden. Sie sind schwarz durch den Humus und sie bringen die höchsten landwirtschaftlichen Erträge. Der Humus der Böden erhöht deren Wasserspeicherfähigkeit und hilft damit der Landwirtschaft sich an verändernde Klimabedingungen anzupassen mit Dürren wie in 2018 und örtlich auch in 2019. Humus stabilisiert auch den Boden gegen Erosion. Trotzdem, ist Humus für viele Landwirtinnen und Landwirt kein wichtiges Thema. Nicht einmal ein Viertel der deutschen Landwirte kennen überhaupt den Humusgehalt ihrer Böden. Ganz zu schweigen von der Frage ob die Humusvorräte abnehmen, zunehmen oder gleich bleiben.

Was hat Humus mit dem Klima zu tun?Humus ist nicht nur für die Bodenfruchtbarkeit wichtig, sondern Humus besteht etwas zu Hälfte aus Kohlenstoff. Wenn Humus verloren geht gelangt dessen Kohlenstoff als Kohlendioxid in die Atmosphäre wo es als Treibhausgas die Klimaerwärmung beschleunigt. Es ist also nicht nur eine private Angelegenheit der Landbesitzerinnen und Landbesitzer, sondern betrifft die ganze Gesellschaft. Im Rahmen der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen muss Deutschland deshalb auch jedes Jahr über die Veränderung der Humus- oder besser der Kohlenstoffvorräte berichten. Diese Aufgabe übernimmt das Thünen Institut für Agrarklimaschutz in Braunschweig für die Bundesregierung. Im Dezember 2018 wurde dazu die erste bundesweite Bodeninventur landwirtschaftlicher Böden abgeschlossen. Auf 3104 Äckern und Wiesen in ganz Deutschland, 480 davon in Niedersachsen, wurden bis in 1 Meter Tiefe Bodenproben genommen und analysiert. Wie vielfältig Böden bei uns sind lässt sich auf diesem Bodenviewer sehen 
https://arcg.is/1XXTyv0. Wer wissen will warum das so ist kann das in dem dazu entstanden Buch „Unsere Böden entdecken“ nachlesen https://www.springer.com/de/book/9783662597279.Das Ergebnis dieser Bodeninventur: Die unvorstellbare Menge von 2,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff ist in landwirtschaftlich genutzten Böden gespeichert. Das ist mehr als 10 mal so viel CO2 wie jedes Jahr in Deutschland in die Atmosphäre emittiert wird. Daraus entsteht für die Landwirtschaft eine große Verantwortung. Ist sie sich dieser Verantwortung bewusst?

Unsere Moore sind TreibhausgasquellenHumus in ganz besonderen Böden ist in die Schlagzeilen und die Diskussion geraten. Das ist der Humus, der in Moorböden gespeichert ist, besser bekannt als Torf. Mehr als 4% der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen stammen aus diesen Torfböden, weil sie für die landwirtschaftliche Nutzung entwässert und gepflügt wurden. Das sind 43 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr in Deutschland. Nur die komplette Nutzungsaufgabe dieser Böden könnte helfen den Torf durch Wiedervernässung zu stabilisieren und die Treibhausgasemissionen zu stoppen.Ließe sich nicht viel mehr Klimaschutz durch Humusaufbau auf den normalen, mineralischen Böden erreichen? Humusaufbau hat den Charme, dass dadurch nicht nur Treibhausgase eingespart würden, sondern sogar Treibhausgas, das einmal in die Atmosphäre emittiert wurde dieser wieder entzogen würde, um dann im Boden als Humus Gutes zu tun. Humusaufbau wird deshalb als Negativ-Emissionstechnologie bezeichnet. Wenn man die globalen Humusvorräte um 0,4% (4 Promille) pro Jahr erhöhen würde, könnte man dadurch alle menschengemachten Treibhausgasemissionen ausgleichen und unschädlich machen. Aus dieser theoretischen Überlegung heraus ist 2015 die internationale 4Promille-Initiative entstanden, die sich für Humusaufbau einsetzt und der auch Deutschland beigetreten ist.Die Verheißung von negativen Emissionen durch Humusaufbau ist verlockend, da sie die Hoffnung nährt, wir müssten unseren Konsum- und Lebensstil doch nicht ändern und könnten doch von der Klimakrise davonkommen. Humusaufbau ist aber nur dort möglich wo Böden bewirtschaftet sind und wo Humus irgendwann einmal verloren ging, der jetzt wieder zurückgeholt werden soll. In Deutschland sind das nur die Ackerflächen, die 50% der Fläche in Deutschland ausmachen. Global sind das 10% der Erdoberfläche. Äcker speichern 30 bis 40% weniger Humus als Grünland und Wald.

Was kann getan werden zum Humusaufbau?Berechnung für Bayern zeigen, dass schon eine Humusanreicherung von 1Promille erheblicher Anstrengungen bedarf. Dazu müsste Grünland, das in den letzten Jahren durch Umbruch zu Ackerland verloren ging wieder zurück zu Grünland umgewandelt werden, Agroforstsysteme müssten aus dem Forschungsstadium herauskommen und verbreitet etablieret werden. Auch Hecken und Feldgehölze, die vor Jahrzehnten mit der Flurbereinigung beseitigt wurden müssten wieder verbreiteter Bestandteil der Agrarlandschaft werden. Das würde nicht nur dem Klima zu Gute kommen sondern ganz viele positive Effekte haben.Nicht zuletzt entscheidet die Fruchtfolge auf einem Acker darüber wieviel Erntereste, Wurzeln und Stroh übrigbleiben, um zu Humus zu werden und Dauerhumus aufzubauen. Besonders wichtig ist auf dem Acker eine dauerhafte Begrünung - auch im Winter. Das ist in der Landwirtschaft als Zwischenfruchtanbau lange bekannt und hat unter dem Schlagwort Permakultur neue Popularität erlangt hat. Nicht zuletzt kann auch durch die Umstellung von konventioneller auf ökologische Bewirtschaftung Humus aufgebaut werden.

Wie viel Klimaschutz könnte erreicht werden?Die Zahlen für den Klimaschutz sind aber ernüchternd, denn mehr als 3 Mio. Tonnen CO2-Einsparung pro Jahr durch Humusaufbau ist in Deutschland auch mit großen Anstrengungen nicht realistisch möglich. Damit sind dann noch nicht einmal 10% der CO2 Emissionen aus deutschen Moorböden ausgeglichen und noch nicht einmal ein halbes Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen. Zusätzlich gibt es noch weitere Probleme mit dem Klimaschutz durch Humusaufbau. Nur Humus, der für immer zusätzlich im Boden gespeichert ist, ist klimaschutzwirksam. Wenn aber eine Maßnahme zum Humusaufbau beendet wird, wenn ein Grünland wieder zu Acker wird oder ein Ökobetrieb rückumstellt und wieder konventionell wirtschaftet, dann geht der aufgebaute Humus auch wieder verloren und damit ist auch die komplette Klimaschutzwirkung. Niemand kann auch vorhersagen ob es möglich ist den zusätzlichen Humus im Boden zu halten wenn sich das Klima bei uns noch mehr verändert. Humus wird im Boden durch die Mikroorganismen abgebaut und die arbeiten besonders schnell und gut wenn es warm ist.Humusaufbau wird uns also nicht davon befreien unseren CO2-Fußabdruck senken zu müssen. Trotzdem ist es richtig und dringend, dass sich Landwirtinnen und Landwirte wieder mehr um Humus im Boden kümmern. Nicht nur als Kohlenstoffspeicher ist Humus wichtig, sondern auch wenn er „verbraucht“ und abgebaut wird: Fast alle Lebewesen im Boden ernähren sich von Humus: Bakterien, Pilze, Würmer, Assel usw.. Ohne diese Lebewesen ist ein Boden tot und kann seine vielfältigen Aufgaben für uns nicht erfüllen. Am Humus hängt also alles, das Bodenleben, die Bodenfruchtbarkeit und auch der Klimaschutz. Es ist Zeit für eine bessere Humusversorgung unserer Böden.